Einladung zu einer Chanukkafeier im Stil von George Orwell

Wenn Sie mich fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem weltberühmten anti-utopischen Roman von George Orwell „1984“ und der Beschreibung des Chanukkafestes in der Einladung der Synagogen-Gemeinde gibt, wäre meine Antwort „Ja“.

Alle Empfänger der Gemeinde-Newsletters erhielten eine Einladung zum öffentlichen Anzünden des Chanukkaleuchters in Köln-Chorweiler. Die offizielle Einladung der Synagogen-Gemeinde enthielt den folgenden Text:

„Das Chanukkalicht feiert den Triumph des Lichts über die Dunkelheit, der Demokratie über die Tyrannei. Chanukka ist eine Zeit, um Frieden und Toleranz zu feiern“

Als eine Person, die über einem bescheidenen Wissen der jüdischen Geschichte verfügt, war ich etwas über die Aussage irritiert, dass «Das Chanukkalicht feiert den Triumph der Demokratie über die Tyrannei.» und «Chanukka ist eine Zeit, um Frieden und Toleranz zu feiern».  Genau diese Sätze erinnerten mich an die Zitate aus dem Roman „1984“ von George Orwell«Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!».

Judäa, 167 – 165 v. Chr.

Zunächst ein kleiner Exkurs in die Geschichte, aber mit moderner Terminologie.

Die gesamte Handlung spielte sich im Seleukidenreich ab, auf dem von ihm besetzten Gebieten Judäas. Die Besetzung erfolgte 333 v. Chr. nach der Eroberung des Gebiets durch die Truppen von Alexander dem Großen. Im Jahr 167 v. Chr. verbot König Antiochus IV. Epiphanes die Einhaltung der Gesetze der Tora, einschließlich die Beschneidung und die Einhaltung des Sabbats. Wer gegen die Dekrete des Königs verstieß, musste mit der Todesstrafe rechnen. Aber das Schlimmste war, dass der Tempel von Jerusalem geschändet wurde und die griechische Kultur und Lebensweise überall aufgezwungen wurde.

Diese Politik der Besatzungsmacht fand keine breite Unterstützung in der jüdischen Bevölkerung Judäas, aber es gab auch genügend Juden, die die Hellenisierung nicht als Problem ansahen. Bei einem Versuch in der Siedlung Modiin einen heidnischen Altar zu installieren, wurde ein Jude getötet, der sich bereit erklärte, an diesem götzendienerischen Ritual teilzunehmen.

Der Mörder (aus Sicht des modernen Strafrechts und ein Held aus Sicht der jüdischen Tradition) hieß Matityahu haKohen ben Johanan, er stammte aus einer Hohepriesterfamilie (Kohanim). Matityahu ben Johanan war der Vater von fünf Söhnen, die später Anführer des Aufstands wurden.  In der heutigen Zeit würde man diesen Aufstand als Bürgerkrieg bezeichnen, da die Konfliktparteien aus demselben Volk stammen. Zudem wird eine der Konfliktparteien von einem der Nachbarländer unterstützt. Derzeit können wir eine ähnliche Situation in Syrien und der Ukraine beobachten.

Die Kämpfe unter der Führung des ältesten Sohnes von Matityahu ben Johanan, Yehuda ben Matityahu (auch Yehuda Makkabäus genannt), dauerten mehr als zwei Jahre und endeten mit der Niederlage der Söldnerarmee des Königs Antiochus IV und unterstützenden Verräter aus der einheimischen jüdischen Bevölkerung.

Der Sieg über die Armee von König Antiochus IV war der moralischen Überlegenheit der freiwilligen Kämpfer zu verdanken, die für ihren Glauben, ihr Volk und ihr Land kämpften. Im modernen Sprachgebrauch werden die Anhänger der von Yehuda Makkabäus angeführten Truppen als religiöse Fanatiker bezeichnet.

Am 25. Kislew, 165 v. Chr., wurde die Menora wieder angezündet, nachdem der geschändete Tempel gereinigt worden war. Das geweihte Olivenöl aus dem unversehrten Krug, das eigentlich nur für einen Tag reichen sollte, brannte volle acht Tage lang. Genau das wird als Wunder von Chanukka bezeichnet.

An welchem Punkt der Chanukkageschichte beobachten wir etwas, was heutzutage als Demokratie und Toleranz gilt? Es ist besonders verwunderlich, von einem offiziellen Vertreter der Synagogen-Gemeinde Köln über den Begriff der Demokratie zu hören.

Es ist zu empfehlen, den Beitrag des Gemeinderabbiners Jechiel Brukner „Chanukka und Anti-Demokratie“ in der November-Ausgabe des Gemeindeblattes keinen zu lernen. Schade, dass die Mitarbeiter der Gemeinde keine Zeit finden, die Beitrage des Gemeinderabbiners kennen zu lernen:

https://www.sgk.de/wp-content/uploads/pdf/Gemeindeblatt/Gemeindeblatt_SGK_November_2021.pdf (s. 27)

Auf einer Seite des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine

Allerdings ist die Beschreibung der Chanukkageschichte nicht das einzige erwähnenswerte Thema. Am 30.11.2021 wurden die Empfänger der Newsletters der Synagogen-Gemeinde Köln zu einer Diskussion über die Sicherheits- und Menschenrechtslage in der Ostukraine eingeladen. Die Veranstalter sind die Botschaft der Ukraine in Deutschland und das Lew Kopelew Forum in Köln.

Podiumsdiskussion zur Sicherheits- und Menschenrechtslage in der Ostukraine am Donnerstag, 2. Dezember 2021 um 19:00 Uhr.

Das Problem an dieser Veranstaltung für mich ist, dass alle Diskussionsteilnehmer nur eine Seite des Konflikts in der Ostukraine und die Position der derzeitigen ukrainischen Regierung vertreten.

Für mich ist es unverständlich, warum sich unsere Gemeinde dazu entschieden hat, sich an der Diskussion über den Konflikt in der Ostukraine durch die Werbung der Veranstaltung zu beteiligen? Wie es scheint, ist für die Gemeindeführung völlig unbekannt, dass es viele Gemeindemitglieder gibt, die sich ausschließlich mit der eine oder der anderen Konfliktpartei identifizieren. Und diese Damen und Herren sprechen seit dem Jahr 2014 nicht mehr miteinander, auch innerhalb der eigenen Familien. Es wäre äußerst lobenswert, wenn die Gemeinde sich neutral verhält. In jedem bewaffneten Konflikt gibt es mehrere Parteien/Seiten und jede hat ihre eigene „Wahrheit“.

Der Begriff „Konzentrationslager“ wird in Deutschland mehr als eindeutig verstanden. Durch die Verwendung solche Begreife wie Konzentrationslager, wird absichtlich einen falschen Eindruck suggeriert. Genau auf der ukrainischen Seite wird mit SS-Runen an den Helmen gekämpft. Die Rolle der Angehörige der Waffen-SS bei der Vernichtung der europäischen Juden, sowie vielen anderen Kriegsverbrechen bedarf wohl keine Erklärung.

Auch der ukrainischen Seite gab es Gefängnisse mit unmenschlichen Bedingungen (z.B. Tornado).

Wenn sich die Synagogen-Gemeinde Köln für das Leben in der heutigen Ukraine interessiert, könnte es sich lohnen, über die unglaubliche Arbeit des „Ukrainischen Jüdischen Komitees“ unter der Leitung von Eduard Dolinsky zu berichten.

Es ist empfehlenswert seine FB-Seite zu besuchen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie die Erinnerung an Kriegsverbrecher, Nazi-Kollaborateure und Judenmörder in der Ukraine aufrechterhalten wird.

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